Informationen zur Fortbildung
Dozent:in
Die Fortbildung wird von Prof. Dr. Peter Fiedler geleitet.
Datum/Zeit
06.03.2026 von 09:30 Uhr bis 18:30 Uhr
07.03.2026 von 09:00 Uhr bis 14:15 Uhr
Veranstaltungsort
MAPP-Institut
Klausenerstraße 12/15
39112 Magdeburg
Kosten
320,00 €/180,00 €*
* Reduzierte Gebühr für Ausbildungsteilnehmende am MAPP-Institut
Fortbildungspunkte
Sie erhalten für die Teilnahme an diesem Seminar 16 Fortbildungspunkte.
Kursinhalt der Fortbildung
Ziele der Veranstaltung
- Vermittlung der Bedeutung des zukünftigen Domain-Konzepts problematischer Persönlichkeitsanteile in der ICD-11 für Diagnostik und Behandlung von Persönlichkeitsstörungen
- Verständnis der grundlegenden Veränderungen in der Störungsdiagnostik der ICD-11
- Einordnung der neuen Trait-Domains für die Verbesserung psychotherapeutischer Behandlungsindikationen
- Anwendung eines Schemas zur differenziellen Indikationsstellung auf Fallbeispiele aus der Praxis
Inhalte
- Überblick über die ICD-11 und die Abkehr von der kategorialen Typendiagnostik (Ausnahme: Borderline-Persönlichkeitsstörung)
- Untersuchung und Bewertung der Veränderungen mit Blick auf Verbesserungen psychotherapeutischer Behandlungen
- Darstellung der fünf allgemeinen Persönlichkeitscluster (Trait Domains) und ihrer Relevanz für die Diagnostik
- Vorstellung eines Schemas zur differenziellen Indikationsstellung anhand der Trait Domains
- Anwendung des Schemas auf Fallbeispiele, auch aus der Praxis der Teilnehmenden
- Diskussion der Bedeutung und Vorteile der ICD-11-Neuerungen für Diagnostik und Behandlung von Persönlichkeitsstörungen
Warum 2026 eine Fortbildung zu Persönlichkeitsstörungen besuchen?
Persönlichkeitsstörungen gehören zu den herausfordernden Störungsbildern in Psychotherapie und Psychiatrie – nicht, weil sie nicht behandelbar wären, sondern weil sie ein tieferes Verstehen auf mehreren Ebenen erfordern. Ab 2027 wird die ICD-11 verbindlich, und damit ändert sich die diagnostische Einordnung von Persönlichkeitsstörungen grundlegend: Statt kategorialer Typendiagnostik tritt ein dimensionales Modell, das Schweregrad, Persönlichkeitsorganisation und spezifische Trait-Domains in den Mittelpunkt rückt. Wer sich jetzt vorbereitet, entwickelt von Anfang an die richtige diagnostische Strategie – ohne später umdenken zu müssen.
Zielgruppe: Für wen ist diese Fortbildung konzipiert?
Die Fortbildung richtet sich an verschiedene Berufsgruppen aus der psychosozialen Versorgung: Eine Psychologische Psychotherapeutin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen, Ärzt:innen sowie Psychotherapeut:innen in Ausbildung (PiA) profitieren gleichermaßen von den Inhalten. Besonders relevant ist das Seminar für alle, die mit komplexen Störungsbildern arbeiten – sei es in ambulanter Praxis, in Kliniken oder in der Ausbildungsambulanz. Denn Persönlichkeitsstörungen treten selten isoliert auf: Sie sind häufig mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Angststörungen oder Trauma komorbid und zeigen sich in instabilen therapeutischen Allianzen, schwer fassbaren Beziehungsdynamiken und emotional instabilen Verhaltensweisen.
Behandlung: Was unterscheidet Persönlichkeitsstörungen von anderen psychischen Erkrankungen?
Persönlichkeitsstörungen sind im Kern Beziehungsstörungen: Sie zeigen sich weniger in klassischen Symptomen als vielmehr in der Art, wie Menschen Nähe und Distanz regulieren, mit Konflikten umgehen und soziale Interaktionen gestalten. Das führt häufig zu sozialen Problemen in verschiedenen Lebensbereichen. Das macht die Behandlung anspruchsvoll, aber auch therapeutisch zugänglich – denn die therapeutische Beziehung selbst wird zum zentralen Wirkfaktor. Während die ICD-10 noch mit festen Kategorien arbeitete (narzisstische, dissozialen, ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörungen), ermöglicht die ICD-11 eine differenziertere Beschreibung: Fünf Trait-Domains (negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmtheit, Zwanghaftigkeit) beschreiben konkrete Funktionsbereiche. Dabei wird jedes Kriterium dimensional erfasst, statt binär vorhanden oder nicht vorhanden zu sein. Narzisstischen Persönlichkeitszügen kann so ebenso differenziert begegnet werden wie anderen problematischen Persönlichkeitsanteilen.
Borderline und andere Persönlichkeitsstörungen: Warum stoßen Psychotherapeut:innen schnell an ihre Grenzen?
Viele Psychotherapeut:innen erleben, dass bewährte Interventionen bei bestimmten Patient:innen nicht greifen: Therapien verlaufen stockend, Fortschritte bleiben aus, die Allianz ist fragil. Oft liegt der Schlüssel in der Persönlichkeitsorganisation – doch ohne diagnostisches Konzept bleibt diese unsichtbar. Besonders bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung, die als einzige spezifische Diagnose in der ICD-11 erhalten bleibt, zeigen sich diese Herausforderungen deutlich. Genau hier setzt die Fortbildung an: Sie vermittelt, wie Persönlichkeitsstörungen diagnostisch eingeordnet, therapeutisch verstanden und in der Beziehungsgestaltung professionell bewältigt werden können. Statt nach Trial-and-Error zu arbeiten, ermöglicht ein strukturiertes Verständnis gezielte, differenzielle Indikationsstellung – welches therapeutische Vorgehen passt zu welcher Persönlichkeitsorganisation?
Praxisrelevanz: Behandlung bei herausfordernden Persönlichkeitsstilen
Die Fortbildung ist praxisnah konzipiert: Neben der Vermittlung theoretischer Grundlagen steht die Anwendung auf konkrete Fallbeispiele im Mittelpunkt. Teilnehmende können eigene Patient:innen einbringen und so das Gelernte unmittelbar auf ihre therapeutische Arbeit beziehen. Dabei geht es nicht nur um die korrekte Diagnosestellung, sondern um die Frage: Wie gestalte ich therapeutische Beziehungen bei emotional instabilen, misstrauischen oder distanzierten Persönlichkeitsstilen? Wie setze ich Grenzen, ohne die Allianz zu gefährden? Und welche Intervention passt zu welchem Trait-Profil? Diese Fragen sind nicht nur diagnostisch relevant – sie sind therapeutisch entscheidend.
Anmeldung und nächste Schritte zur Fortbildung 2026
Die Anmeldung zur Fortbildung erfolgt über das Formular auf dieser Seite. Angesichts der begrenzten Platzkapazität im Präsenzseminar empfiehlt sich eine rechtzeitige Anmeldung. Die Fortbildung findet im März am MAPP-Institut in Magdeburg statt und wird von Prof. Dr. Peter Fiedler geleitet – einem der führenden Experten für Persönlichkeitsstörungen im deutschsprachigen Raum. Approbierte Psychotherapeut:innen erhalten 16 Fortbildungspunkte, Ausbildungsteilnehmende 16 Unterrichtseinheiten für die Freie Spitze. Damit ist die Fortbildung nicht nur fachlich relevant, sondern auch für die berufliche Weiterentwicklung wertvoll.

